Yoga mit den Fingen: MUDRAS

bhumispartsha-mudra: Erdberührungs-Mudra



Der Begriff Mudra stammt aus dem Sanskrit und hat viele Bedeutungen.  Übersetzt heißt Mudra Geste, eine bestimmte Stellung der Hände, ein Siegel oder Symbol. Also kann man sagen, dass es sich dabei um eine bestimmte Finger,- Augen- oder Körperhaltung handelt, die einen symbolischen Charakter hat. In religiösen Handlungen, im Tanz und in der bildenden Kunst finden sich dafür viele Beispiele. 

Mudras gibt es nicht nur in Asien, sondern auf der ganzen Welt. Auch in unserem westlichen Alltag gibt es Gesten, die eine symbolische Bedeutung haben wie zum Beispiel jemandem den Daumen zu drücken, zum Applaus in die Hände zu klatschen, die Hände zum Gebet zu falten, die Hände über dem Kopf zusammen zu schlagen, eine Faust zu ballen, usw. Auch in der christlichen Liturgie gibt es solche Gesten wie zum Beispiel das Kreuzzeichen, Gesten zum Segnen. 

Beispiel für "Ingangsetzens des Rades"
Im Yoga werden Gemütszustände wie Trauer, Freude, Wut, Gelassenheit bestimmten Gesten und Körperhaltungen zugeordnet. Dabei wird auch umgekehrt davon ausgegangen, dass durch bestimmte Gesten die Psyche positiv beeinflusst werden kann.

Hier wird es vorrangig um Hand-Mudras gehen: es sind spezielle Finger- oder Handstellungen, wie sie in der chinesischen Medizin oder zum Beispiel im indischen Kundalini-Yoga eingesetzt werden, um die Wirkung bestimmter Körperhaltungen zu verstärken.


In den hinduistischen und buddhistischen Yogas und Tantras werden bei den Handgesten kleine Mudras, die eher gesundheitlichen Zwecken und solche, welche der Meditation und die spirituelle Entwicklung fördern, unterschieden.

Wie wirken Hand-Mudras?
 
Die Wirkung von Mudras ist von unterschiedlichen medizinischen Ansätzen her erklärbar: Der Begründer der Reflexzonen-Therapie, der amerikanische Arzt Fitzgerald, hat jedem Bereich der Hand eine Reflexzone für einen zugehörigen Teil des Körpers zugeordnet.
Die chinesische Medizin erklärt die Wirkung aufgrund des Meridian-Systems, das sind Energiebahnen, die durch den ganzen Körper und auch in die Hände und Finger laufen. Auf diese Weise lassen sich die Hände als ein Spiegel für unseren Körper und unseren Geist betrachten.
In der westlichen Welt gibt es die naturwissenschaftliche Definition, dass der genetische Code für alle unsere körperlichen Eigenschaften wie auch für bestimmte Charaktereigenschaften in jedem einzelnen Zellkern angelegt ist - in der östlichen Philosophie und Medizin gibt es eine Entsprechung in der Vorstellung, dass Körper, Geist und Seele in jeder Fingerkuppe, in den Fingergliedern und auch in der ganzen Hand angelegt sind.
Medizinisch nachgewiesen ist, dass die Enden der Nervenbahnen der Hände im Gehirn einen besonders großen Bereich einnehmen. Durch das Ertasten und Spüren, besonders mit den Fingerspitzen, wird die Gehirntätigkeit aktiviert und trainiert. Es ist also naheliegend, dass man über die Finger und Hände einen Einfluss auf vom Gehirn gesteuerte Körperfunktionen ausüben kann.

Wann kann man Mudras anwenden?
Der Vorteil der Hand-Mudras gegenüber anderen Yoga-Übungen ist, dass man sie fast überall und immer praktizieren kann. Man braucht weder eine Matte noch viel Platz dafür und auch wenn man zu schwach oder krank ist, um Yoga-Übungen zu praktizieren, reicht die Kraft für die Hand-Übungen meistens aus.
Gerade in Zeiten von Krankheit, Energieverlust und auch in der Zeit des Überganges von einem Leben zum Nächsten können Mudras auf den seelischen und geistigen Zustand unterstützend wirken.
Mudras sind ideal, um Wartezeiten zu nutzen, wenn man krank ist und das Bett hüten muss - anstatt sich zu ärgern und dadurch innere Anspannung zu erzeugen, kann man mit Mudras die Zeit nutzen, um zur Ruhe zu kommen, sich zu entspannen und zu regenerieren.


Im folgenden Text wird nur eine kleine Auswahl von Mudras vorgestellt.

Mudras, die direkt und unvermittelt der Meditation, der Sammlung und   der spirituellen Entwicklung dienen.

Buddhas and Bhodisattvas/ Taras und Tarasattvas und auch andere  Gottheiten werden in der tibetischen Ikonographie zumeist mit  verschiedenen Gesten oder Posen (Mudras) dargestellt. Dabei können sie  zusätzlich verschiedene Ritualobjekte in den Händen halten. Jede dieser  Gesten hat eine spezielle Bedeutung.



Ermutigungsgeste (abhaya)

Diese Geste wird auch als Segnungs- oder Furchtlosigkeitsmudra bezeichnet. Die zum Betrachter hin geöffnete" nach oben weisende (und meistens rechte) Hand ermutigt den Gläubigen dem Buddha oder Bodhisattva näher zu treten. Die Geste kommt vereinzelt auch linkshändig vor.
 

 
Geste der Lehrdarlegung (vitarka)
Sie wird auch  als Mudra der Diskussion bezeichnet. Daumen und Zeigefinger formen das Rad der Lehre. Alle anderen Finger sind nach oben gerichtet. Dies ist die mystische Geste der Taras and Bodhisattvas. Bei der Geste des Begreifens (cincihna) greifen
Daumen und Zeigefinger "einen feinen Gegenstand" ein "Körnchen" der Wahrheit. Die beiden Finger sind hier nach unten gerichtet



Im Jnana mudra (Weisheits- oder Lernmudra) berühren sich auch die Spitzen von Daumen und Zeigefinger und bilden einen Kreis. Die anderen werden ausgestreckt gehalten. Diese Mudra wird vor der Brust gehalten, die Handflächen zum Körper. Insoweit unterscheidet sie sich von der vitarka Mudra, bei welcher die Handflächen vom Körper weg zeigen. 
 
Erdberührungsgeste (bhumisparsha)
Der sitzende Buddha berührt mit den Fingerspitzen die Erde um sie als Zeugin für die Wahrheit seiner Worte anzurufen. Der Arm hängt über dem Knie. Die Handflächen zeigen nach innen, alle Finger sind nach unten gerichtet, die linke Hand liegt mit der Handfläche noch oben auf dem Schoß.
Die Geste symbolisiert den Sieg über den Teufel Mara.
bhumispartsha-mudra

die grüne Tara hält rechts die varada-mudra

Geste der Wunschgewährung (varada) 



Die "geöffnete" abwärts weisende Hand deutet die Bereitschaft an, das Gewünschte zu gewähren. Der Arm hängt mit nach außen gerichteten Handflächen herab. Die Mudra kann auch mit der linken Hand vollzogen

werden.

varada mudra


dhyana mudra




Meditationsgeste (dhyana)

Die sitzende Figut hält die Hände im Schoß übereinandergelegt, die rechte Hand  ist immer oben, die Handflächen zeigen nach oben, die Finger sind ausgestreckt. Die Meditationsgeste dient auch dazu, den Almosentopf zu halten. Die Symbolik gilt nur wenn es sich um den Almosentopf, nicht, wenn es sich um ein anderes Gefäß handelt.





Geste der höchsten Erleuchtung (uttarabodhi)
Die Hände sind verschränkt, die Zeigefinger parallel zueinander nach oben ausgestreckt. Die Geste deutet an, dass die Polaritäten eins geworden sind.



 
 
dharmachakra Mudra
Ingangsetzens des Rades der Lehre (dharmachakra pravartana)
Beide Hände werden vor der Brust gehalten. Daumen und Zeigefinger der rechten Hand formen das Rad, der Mittelfinger der linken Hand versetzt es symbolisch in Rotation. Sie ist typisch für den erleuchteten Buddha während seiner ersten
Predigt in Sarnath.


Kleine Mudras für den Alltag

Ein wichtiger Hinweis: Mudras ersetzen keinen Arzt. Klären Sie eine Krankheit beim Arzt ab, lassen Sie sich eine klare Diagnose stellen. Mudras können aber als Ergänzung zu anderen Therapien eingesetzt werden.



Eine schöne Internetseite mit vielen Tipps und Erläuterungen über die Heilkraft von Mudras gibt es hier: mudras.eu empfehlenswert sind auch die Bücher von Gertrud Hirschi. Gertrud Hirschi ist die deutsche Mudras-Expertin – ihre vielfältigen Veröffentlichtungen zum Thema Mudra sind perfekt für alle, die tiefer in das Thema einsteigen wollen.

Auch hier gebe ich wieder nur eine kleine Auswahl von Mudras als Beispiele an.
 


Mudra zur Förderung allgemeiner Gesundheit: “Lebens-Mudra”
Hände: links, rechts oder beide
Ausführung: Daumen, Ring- und Kleinfinger zusammenbringen. Die übrigen Finger bleiben gestreckt.
Effekt: Balanciert die Organuhr und Nerven, unterstützt den autonomen Bewegungsreflex und die Meridiane, stärkt die Herz-Energie


 Daumen und Mittelfinger
Shunia Mudra
Daumen an der Spitze des Mittelfingers:
Fördert die Geduld und Sanftmut.











Mudras und Chakren. Bei Chakren-Yoga-Positionen wirken sie unterstützend.                                          
 Daumen und Ringfinger
Muladhara Mudra, das Mudra für das Wurzelchakra,  ist dem Element Erde zugeordnet. Es wird eingesetzt, um sich zu erden, beruhigt die Nerven und kann das Selbstwertgefühl stärken. So bewirkt es vermehrte Energie, Stabilität und Selbstbewusstsein
Hier berühren sich die Spitzen der Daumen und der Ringfinger. Diese Mudra kann man auch oft bei Statuen (z.B. weiße oder grüne Tara) sehen, dort hält sie jedoch eine Lotosblume mit diesen Fingern. Der Ringfinger ist der "reinste" Finger, daher werden heilige Gegenstände oft damit gehalten.
                                                 


 
 Daumen und Zeigefinger 





Auch das Jnana -Mudra wirkt auf das Wurzelchakra.
Daumen an der Spitze des Zeigefingers:
Öffnet das Wurzelchakra und bewegt vermehrt Energie in den Unterkörper und die Beine. Schenkt Ruhe, Sammlung, Konzentration.
 Daumen und kleiner Finger
Svadisthana Mudra, ein Mudra für das Sakralchakra, wird dem Element Wasser zugeordnet.
Es wird auch Varun Mudra genannt. Hier berühren sich die Kuppen der Daumen und der kleinen Finger. Es wirkt auf alle Füssigkeiten des Körpers: Blut, Lymphe, Schweiß, Schleim und Wasser. Auch der Flow der Kreativität wird positiv beeinflusst.
Varun Mudra soll auch die Gefühle und die innere Sensibilität stärken. 
Mudra für das Manipura Chakra, das Nabel-Chakra, ist das  Apan-Mudra.
Haltung: Die Fingerspitzen des Daumens, Mittel- und Ringfingers werden zusammengeführt, die restlichen Finger bleiben gestreckt. Übt man es regelmäßig kann es dem Körper helfen zu entschlacken, die Blase zu leeren und die Menstruation in Gang zu setzen und stärkt zudem Leber und Galle und wärmt mit seiner Verbindung zu dem Element Feuer den Körper durch.


Namaste oder Anjali-Mudra für das Anahata-Chakra, das Herzchakra

Diese Gruß- oder Verehrungsgeste (namaskara) als
Mudra aktiviert die Herz-Energie und wird dem Element Luft zugeordnet, weil es als Yoga Position den Brustbereich öffnet.

Die vor der Brust erhobenen Hände liegen mit den Handflächen zusammen, die Daumen drücken leicht gegen das Brustbein. Das Mudra neutralisiert auch die rechte, die männliche, und die linke, die weibliche Seite des Körpers.
Es neutralisiert die Nadis, die subtilien Energiekanäle im Körper und hat eine zentrierende Wirkung, fördert das „in sich gehen“ und lenkt das Bewusstsein  auf unser Innerstes.
„Namaste” stammt aus dem Sanskrit und bedeutet frei übersetzt „Das Göttliche in mir grüsst das Göttliche, dass ich in Dir sehe.”


Für das Vishudda-Chakra, das Hals bzw. Kehlchakra  gibt es zwei Mudras: Vishuddha-Mudra & Granthita Mudra.


Vishuddha Mudra 

Die Daumen auf das mittlere Fingergelenk des Ringfingers positionieren, die Handfläche zeigt nach oben die anderen Finger sind ausgestreckt. Dies hilft den Hals zu aktivieren und zu reinigen.
Das zugeordnete Element ist Äther, was auf Weite, Raum und Reinheit deutet.

granthita mudraGranthita Mudra
aktiviert das Hals-Chakra und aktiviert die Selbstheilung.
Die Finger ineinander verschränken, so dass der linke Zeigefinger über dem rechten ist, die Fingerspitzen der Zeigefinger berühren die Kuppen der Daumen.
Die Hände soweit heben, dass das Mudra vor dem Hals gehalten werden kann.






Maatangi-Mudra für das Ajna-Chakra, das Stirnchakra
matangi mudraBeide Hände zusammenbringen und bis auf die Mittelfinger, die gestreckt bleiben, alle Finger so beugen, dass die mittleren Gelenke zusammen kommen. Die Daumenkuppen zusammenbringen und an die Mitte der Stirn, den Sitz des dritten Auges bringen.
Das dritte Auge ist das Zentrum der Inutition und des Bewusstseins sowie der schlafenden Energie im Körper. Mit dieser Mudra wird es gestärkt.


Sahasrara-Mudra für das Kronenchakra
Die Haltung für das Sahasrara-Mudra ähnelt dem für das Stirnchakra, lediglich sind es bei den verschränkten Händen die Ringfinger, die nach oben abgespreizt sind. Dabei liegt er linke Daumen unter dem rechten. Die Hände dabei in Höhe des Magens in einigen Zentimetern Abstand zum Körper halten und mit der Konzentration auf OM einige Zeit so meditieren. Diese Mudra darf erst eingesetzt werden, wenn mit den anderen Chakren bereits gearbeitet wurde.